Finnish Forest Research Institute  Metla

Mitteilung 19.06.2006

Nutzungsmöglichkeiten der Wälder als Energiequelle viel versprechend in Ost- und Mitteleuropa

Waldhackschnitzel ist ein viel versprechender Brennstoff als Ersatz für die Steinkohle bei der Energiegewinnung in Nordostpolen. Unter Waldhackschnitzel versteht man aus Schlagabraum, Durchforstungsholz oder aus Baumstümpfen für Feuerungszwecke hergestellten Hackschnitzel. Anreiz für die Nutzung von Holz als Energiequelle sind unter anderem der Kohlendioxidemissionshandel, der höhere Marktpreis der Elektrizität aus erneuerbaren Energiequellen, das gute Image der Bioenergie und die Schadstoffgebühren der Steinkohlenutzung.

Das nordostpolnische Kraftwerk ist das erste Forschungsobjekt in einem Projekt, das zu dem Forschungsvorhaben ClimBus –Technologieprogramm „Energieholzvorräte, Energietechnologiemärkte und Bioenergiehandel der EU“ angehört. Neben des Finnischen Instituts für Waldforschung (Metla) beteiligen sich das Technische Forschungszentrum Finnlands (VTT) und die Technische Universität Lappeenranta an dem Forschungsvorhaben. Der gegenwärtige Brennstoff in diesem Kraftwerk ist Steinkohle, der Konzern plant jedoch die Modernisierung eines Brennkessels des kombinierten Elektrizität und Wärme produzierenden Werkes (CHP-Werk) so, dass er als zirkulierende Wirbelschichtfeuerungsanlage Biomasse als Brennstoff nutzen wird. Nach der Modernisierung wird der Brennstoffverbrauch des Kraftwerkes 320.000 Festmeter Waldhackschnitzel betragen. Um die Rentabilität der Investition sicherzustellen, benötigt der Kraftwerkkonzern Information über die Beziehbarkeit der Biobrennstoffe und über die Bereitstellungskosten der Waldhackschnitzel.

Nach den Untersuchungsergebnissen gilt das Durchforstungsholz als die wichtigste Rohstoffquelle in der Umgebung des CHP-Werkes. Der Anteil des Durchforstungsholzes, hauptsächlich Kiefernholz schlechter Qualität, beträgt 57 Prozent des Gesamtpotentials. Die Nutzung des Schlagabraums der Endnutzungen wird dadurch eingeschränkt, dass die Bestände in der Umgebung hauptsächlich aus Kiefer bestehen und der Holzeinschlag manuell durchgeführt wird, so dass der Schlagabraum separat gesammelt werden muss.

Der Hackschnitzelpreis vor Ort unterscheidet sich kaum von dem Preisniveau in Finnland. Preis steigernd wirken in Polen die langen Transportwege sowie die um die Hälfte geringere Nutzlast bei Straßentransporten aus, was auf die Beschränkung des Gesamtgewichts der LKWs auf 40 Tonnen zurückzuführen ist. Kosten dämmend wirken sich dagegen die niedrigen Lohnkosten der Arbeitskräfte aus, die nicht einmal die Hälfte des Kostenniveaus in Finnland erreichen.

Das als Nebenprodukt der Landwirtschaft entstehende Stroh steht in Polen für die Energieproduktion nicht zur Verfügung, da es größtenteils als Stallstreu und Nutztiernahrung verwendet wird. Darüber hinaus ist der Anbau von Energiepflanzen, wie Tritical (Kreuzung von Roggen und Weizen) und Weide noch in der Erprobungsphase. Preislich erwiesen sich die Nebenprodukte der Forstindustrie (Rinde und Sägemehl) als konkurrenzfähig, mit den gegenwärtigen Produktionsmengen werden sie jedoch ausschließlich entweder für die eigene Energieproduktion der Forstindustrie oder als Rohstoff für die Plattenindustrie verwendet.

Das im Dezember 2004 begonnene Forschungsvorhaben dauert 2,5 Jahre. Es wird neben TEKES (dem Nationalen Technologiezentrum Finnlands) auch von privaten Unternehmen und Konzernen wie Kesla, Kvaerner Power, Pentin Paja, Vapo und Wärtsilä Biopower finanziell unterstützt. Das Ziel des Forschungsvorhabens ist es, für die finnische Bioenergietechnologie neue Märkte und Handelsmöglichkeiten innerhalb der EU zu eröffnen, sowie Information über die Veränderungen internationalen Bioenergiehandels und über deren Auswirkungen auf die Handelsgeschäfte der finnischen Unternehmen zu gewinnen. Die Forschung besteht darin, Information über den Energiesektor und die Biomassevorräte, Organisationen sowie Infrastruktur der Zielgebiete zu gewinnen und finnischen Technologielieferanten zur Verfügung zu stellen.

Ausgehend von den Informationsdefiziten der das Projekt finanzierenden Konzerne werden drei bis vier mittel- und osteuropäische Länder für die genauere Analyse ausgewählt. Als Objekt einer Falluntersuchung dient ein Kraft- oder Wärmewerk in dem Zielland. In der Falluntersuchung werden die Beziehbarkeit des Waldhackschnitzels und anderer Biobrennstoffe in der Umgebung des Werkes, die für das Objekt geeignete Erntetechnologie und Transportlogistik des Hackschnitzels sowie für das Objekt geeignete Werkalternativen und Größenklasse untersucht. Die Falluntersuchungen werden in Zusammenarbeit mit Metla, VTT und lokalen Partnern durchgeführt.

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